Hilfsnavigation:

Headnavigation ueberspringen

Venntüten im Tütenvenn

klick

Das Wort Venn taucht in verschiedenen Variationen seit Jahrhunderten in allen germanischen Sprachen auf und hat dort eine Bedeutungsentwicklung vom reinen Sumpf, Moor zum „Moor, das zur Viehweide genutzt wurde“ durchgemacht. Eine Beschreibung, die für das Naturschutzgebiet Tütenvenn durchaus treffend ist. Wo früher Moor war, erstrecken sich heute nach der Kultivierung Wiesen und Weiden. Charaktervogel des Tütenvenns ist die Venntüte - plattdeutsch für: Großer Brachvogel. Der fühlt sich in Feuchtgebieten besonders wohl, was wiederum dem Tütenvenn seinen Namen eingebracht hat. Den trägt das 170 Hektar große Naturschutzgebiet auch heute noch mit Recht, denn Jahr für Jahr schreiten hier einige Paare zur Brut. Auch der „kleine“ Verwandte hat sich im Tütenvenn einquartiert, die Uferschnepfe. Obwohl Brachvogel und Uferschnepfe in Aussehen und Lebensweise vieles gemeinsam haben, brüten mit über 300 Paaren etwa fünf Mal so viele Brachvögel wie Uferschnepfen im Kreis Steinfurt. Warum das so ist? Uferschnepfen sind bei der Wahl ihrer Brutplätze viel pingeliger. Eine trockene Wiese oder gar ein Acker, mit denen sich der Brachvogel zur Not begnügt, kommt für eine Uferschnepfe kaum in Frage. Schön nass muss es für sie sein, am besten mit Blänken und höheren Grasbulten, hinter denen sie sich verstecken kann. Insofern hat sich für die Uferschnepfe im Tütenvenn einiges verbessert, seitdem im Rahmen des „Netzwerks Grüne Grenze“, einem grenzüberschreitenden Naturschutzprojekt, hier viele Flächen vernässt worden sind.

Apropos Verwandtschaft: Wer Gemeinsamkeiten zwischen Flutendem Sellerie und Knollensellerie entdecken will, muss schon suchen – wenn er denn jemals die flutende Variante zu Gesicht bekommt. Die wächst nämlich im Tütenvenn höchst selten in Weidetümpeln, ist von eher zierlichem Wuchs und riecht noch nicht einmal nach Sellerie, womit sie für den Einsatz im Suppengrün gänzlich ungeeignet ist.  Dafür hat sie es auf die Rote Liste der gefährdeten Arten geschafft, und zwar ziemlich weit oben.  

Dort stehen auch Arten wie der Mittlere Sonnentau, Schnabelried und Rasensimse. Sie alle wachsen in den kleinen Moor- und Heideresten im Rüenberger Venn, dem Borkener Pendant zum Tütenvenn. Um sie vor Nährstoffeinträgen zu schützen, sind auf einem angrenzenden Maisacker direkt an unserer Route vor einigen Jahren der Oberboden abgeschoben und flache Teiche angelegt worden. Und siehe da – zum Vorschein kamen viele Arten der ehemaligen Feuchtheide, die im Boden als Samen überdauert und auf bessere Zeiten gewartet hatten. Doch kaum hatten es sich Sonnentau, Glockenheide und Co häuslich eingerichtet, lauerte schon die nächste Gefahr. Aufkommende Gehölze und mit ihnen der Schatten bedrohten das Idyll. Sie wurden maschinell beseitigt, was aber keine Dauerlösung ist. Besser ist eine Beweidung, die aber auf so kleinen Flächen nicht immer leicht zu bewerkstelligen ist.

klick
klick
klick

nach oben